Das Long-Tail-Modell beschreibt ein Geschäftsprinzip, bei dem der Umsatz weniger durch einzelne Bestseller entsteht als durch die Summe vieler Nischenprodukte. In einer klassischen Verteilung generieren wenige Top-Produkte den Großteil des Umsatzes. Das Long-Tail-Modell dreht diese Logik um: Wenn die Kosten für Lagerhaltung und Distribution niedrig genug sind, kann die Masse an Nischenartikeln in Summe profitabler sein als die Hits.
Amazon ist das Paradebeispiel: Ein physischer Buchladen kann vielleicht 100.000 Titel führen, Amazon Millionen. Die Titel jenseits der Top 100.000 verkaufen sich einzeln selten, machen aber in Summe einen erheblichen Teil des Umsatzes aus. Netflix funktioniert ähnlich: Der Katalog enthält tausende Titel, die einzeln wenig nachgefragt werden, aber durch algorithmische Empfehlungen ihre jeweilige Nische finden. Spotify macht aus Millionen von Songs, die nie im Radio laufen würden, in Summe ein tragfähiges Geschäft.
Das Konzept wurde 2006 von Chris Anderson beschrieben. Voraussetzung für ein Long-Tail-Modell sind niedrige Grenzkosten pro zusätzlichem Produkt und ein leistungsfähiges Such- und Empfehlungssystem, das Kunden zu relevanten Nischenprodukten führt.