Emergenz beschreibt das Phaenomen, dass auf der Ebene eines Gesamtsystems Eigenschaften entstehen, die aus den einzelnen Bestandteilen allein nicht vorhersagbar sind. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile — nicht als Metapher, sondern als beobachtbare Tatsache. Emergente Eigenschaften lassen sich nicht auf Einzelkomponenten zurückführen, sondern entstehen erst durch deren Zusammenspiel.
Die Beispiele sind vielfaeltig und reichen über alle Systemtypen hinweg. Bewusstsein entsteht aus dem Zusammenspiel von Neuronen, obwohl kein einzelnes Neuron bewusst ist. Stau entsteht aus dem Verhalten einzelner Autofahrer, obwohl niemand die Absicht hat, einen Stau zu erzeugen. Unternehmenskultur entsteht aus den Interaktionen vieler Menschen, obwohl sie niemand gezielt erschaffen hat. In jedem Fall gilt: Die Systemeigenschaft lässt sich nicht durch Analyse der Einzelteile verstehen, sondern nur durch Beobachtung des Zusammenspiels.
Das Konzept stammt aus der allgemeinen Systemtheorie und wurde insbesondere am Santa Fe Institute weiterentwickelt. Für die Praxis bedeutet Emergenz: Wer komplexe Systeme steuern will, muss die Interaktionsmuster verstehen, nicht nur die Einzelelemente. Direktes Eingreifen erzeugt oft unvorhergesehene Nebenwirkungen.