Das Prinzip Geschäftsmodell vor Produkt besagt, dass ein Produkt erst dann entwickelt werden sollte, wenn die zugrundeliegende Geschäftslogik durchdacht ist. Viele Innovationsprojekte scheitern nicht an der Technik oder am Produkt selbst, sondern daran, dass kein tragfähiges Geschäftsmodell existiert: Wer zahlt? Wofür? Über welchen Kanal? Wie skaliert das? Diese Fragen im Nachhinein zu beantworten ist deutlich schwieriger als sie von Anfang an mitzudenken.
Ein häufiges Gegenbeispiel ist die Segway-Einführung: Das Produkt war technisch beeindruckend, aber das Geschäftsmodell unklar. Wer war die Zielgruppe? Wie sollte der Vertrieb funktionieren? Welches Problem wurde gelöst? Im Gegensatz dazu hat Nespresso zuerst das Geschäftsmodell (Razor-and-Blade mit proprietären Kapseln und Direktvertrieb) konzipiert und dann das Produkt darauf ausgerichtet. Die Maschine war Mittel zum Zweck, das Geschäftsmodell war die eigentliche Innovation.
Das Prinzip geht auf Alexander Osterwalder und Steve Blank zurück und steht im Zentrum des Lean-Startup-Denkens. Es erfordert die Bereitschaft, Geschäftsmodellannahmen genauso rigoros zu testen wie Produkthypothesen.