Organisationsentwicklung bezeichnet den geplanten, systematischen Wandel von Organisationen. Im Kern geht es darum, Struktur, Kultur und Prozesse so aufeinander abzustimmen, dass die Organisation ihre Aufgaben besser erfüllen kann. Die Disziplin hat ihre Wurzeln in Kurt Lewins Arbeiten der 1940er Jahre und wurde von Beckhard, Bennis und Schein zu einem eigenständigen Praxisfeld weiterentwickelt. Der zentrale Grundsatz lautet: Betroffene zu Beteiligten machen. Veränderung, die von oben verordnet wird, ohne die Menschen einzubeziehen, die sie umsetzen sollen, erzeugt Widerstand statt Wirkung.
Organisationsentwicklung unterscheidet sich von Change Management durch ihren systemischen Anspruch. Während Change Management häufig einzelne Veränderungsprojekte begleitet, betrachtet Organisationsentwicklung das Gesamtsystem: Wie haengen Strategie, Struktur, Kultur und Führung zusammen? Wo erzeugt eine Veränderung an einer Stelle unbeabsichtigte Wirkungen an anderer Stelle? Diese Perspektive schuetzt vor Maßnahmen, die isoliert sinnvoll erscheinen, aber im Gesamtkontext kontraproduktiv wirken.
In der Praxis ist Organisationsentwicklung keine einmalige Initiative, sondern eine fortlaufende Fähigkeit. Organisationen, die diese Fähigkeit aufbauen, können sich kontinuierlich an veränderte Bedingungen anpassen, statt periodisch grosse Transformationsprogramme aufzusetzen. Der Aufbau dieser Fähigkeit erfordert Investitionen in Diagnosekompetenzen, Interventionsdesign und die Bereitschaft, Veränderung als permanenten Prozess zu begreifen.